Uffz. Siegfried "Siggi" Ballerstädt

9./JG 5

  Geb. am 18.09.1923 - verstorben am 03.03.2007

Heimaturlaub 1943

 

Ballerstädt (rechts), mit Kameraden in der Ausbildung vor einer Klemm Kl 35 D

Militärischer Werdegang von

Uffz. Siegfried Ballerstädt

 

Am 16. Oktober 1940, gerade 17 Jahre alt, wurde ich als Freiwilliger zur Luftwaffe zum Fliegerausbildungsregiment 11 nach Schönwalde eingezogen.

Ich wollte unbedingt Flugzeugführer werden und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits in Schönhagen die C-Prüfung

im Segelflug bestanden. Die Rekrutenzeit in Schönwalde war hart, aber da ich sehr viel Sport getrieben hatte, machte mir das alles nichts aus. Die ärztliche Untersuchung auf Wehrflieger- tauglichkeit war kein Problem, doch dann musste ich zum Psychologen. Seine mehr oder weniger merkwürdigen Fragen konnte ich wahrscheinlich nicht zu seiner Zufriedenheit beantworten, und so lautete das Ergebnis:

,,Untauglich für das fliegende Personal“

 

So kam ich dann Anfang 1941 nach Beendigung der Rekrutenzeit  zur, Höheren Technischen Schule nach Wismar. Hier bekam ich eine 4-monatige Ausbildung als Flugzeugwart und wurde anschließend nach Weimar/ Nohra versetzt. Von hier aus ging es dann nach Finnland zu einer Fernaufklärerkette, die dem AOK Norwegen unterstellt war. Inzwischen habe ich nie mein Ziel, Flugzeugführer zu werden, aus dem Auge verloren. In Rovaniemie quälen wir uns bei oftmals 40 ° minus und mehr, die Do 17 der F-Kette, klar zu bekommen, denn Generaloberst Dietl brauchte Luftaufnahmen von der Front und dem feindlichen Hinterland. Mein Chef war der spätere Ritterkreuzträger Oberleutnant Knabe.

Irgendwie kam ich mit ihm in einem Gespräch auf meinen Wunsch, Flugzeugführer zu werden, zu sprechen. Ich höre heute noch seine Worte: ,, Ich werde das in die Wege leiten, gehen Sie zum Spieß, der wird die Formalitäten erledigen „.

2 Wochen später, im Mai 1942 machte ich mich auf den Weg nach Stettin zum Flugzeugführeranwärterbatallion

,,Monte Rosa“. In Stettin war der Aufenthalt nur kurz, denn das Batallion wurde nach Frankreich verlegt. Und wieder war ich Techniker, aber immer noch Flugzeugführeranwärter.

Auf verschiedenen Flugplätzen, u.a. Melun, Rennes, Bordeaux, Chateroux usw. waren wir innerhalb einer Flughafenbetriebskompanie (FBK) als ,,Mädchen für alles“ tätig. Wir wurden in der Technik der Ju 88, der Do 217 und des

BMW 801 eingewiesen und durften Munitionslager bewachen.

Anfang Mai 1943 war es soweit!  Versetzt zur  AB 114 Zwölfaxing bei Wien. Die Freude bei mir war groß. Wenig später verlegt die Schule nach Weimar/ Nohra  bzw. Erfurt/Nord, und hier begannen wir zunächst wiederum mit dem Segelflug. Nochmals flog ich die, C “, dann aber erhielt ich den Luftfahrerschein. In Erfurt begann die Motorschulung. Nach 15 Starts mit Lehrer flog ich erstmals allein. Schließlich wurde dann die Schulung in Weimar/ Nohra fortgesetzt mit dem üblichen Programm: Platzflüge, Nachtflug, Kunstflug, Überlandflüge, Verbandsflüge und Instrumentenflug.  Bü 131, Bü 181, Ar 96,  Fw 58 (Weihe) waren die Typen, die zur Schulung bereitstanden.

Dazu erhielten wir jede Menge theoretischen Unterricht. Mit dem Erhalt des Flugzeugführerabzeichens wurde ich zum Unteroffizier befördert und kam dann zur Jagdfliegerschule  (JG 103) nach Parow bei Stralsund. Fliegen, fliegen und nochmals fliegen hieß eine der Parolen. Keine Maschine durfte unnötig dastehen.

Kunstfliegen, Erfliegen unbekannter Typen, Kurvenkampf, Kleinorientierung, Treffpunktaufgaben, Luftschießen, Instrumentenflug und Zieldarstellung wechselten einander ab. Folgende Flugzeugtypen standen zur Verfügung:

Bü 131, Bü 133, Ar 96, Fw 56 (Stößer), Ar 68, Kl 35, Siebel 204 sowie die NAA 56 (Havard – Beutemaschine). Die Schulung wurde dann in Mackfitz fortgesetzt mit der Umschulung auf

die Fw 190. Den letzten Schliff vor dem Fronteinsatz bekam ich dann in Märkisch-Friedland bei der Ergänzungsgruppe West.

Mein Jagdlehrer, ein Oberfeldwebel mit 30 Luftsiegen versuchte alles, aus uns jungen Burschen brauchbare Jagdflieger zu formen. Eines Tages, im September 1944, kam der Versetzungsbefehl für mich und fünf weiteren Kameraden

zum Jagdgeschwader 5 "Eismeer"

 

In Alborg/West empfingen wir nagelneue Fw 190 A-8 und flogen über Oslo, Drontheim, Bodin nach Bardufos. Hier wurden wir der 9. Staffel JG 5 zugeteilt.

Die Staffel wurde wenig später nach Südnorwegen verlegt und wir flogen von Bardoufos denselben Weg zurück nach Herdla bei Bergen, einem Inselflugplatz,

der wegen seiner berüchtigten Holzbohlenbahn auch "Sollbruchstelle von Norwegen" genannt wurde.

Von hier aus bestand unsere Aufgabe darin,

Geleitzüge und den U-Bootbunker Bergen vor Angriffen zu schützen.

Dabei hatte unsere Staffel viele Verluste zu beklagen. Am 8. Mai 1945 war dann für mich der Krieg fast zu Ende.

 

Es folgten 2 Jahre Gefangenschaft in Frankreich, und ich räumte in der Festung Gironde- bei Bordeaux Minen,

eine Arbeit, die nicht ungefährlich war und auch leider Opfer kostete...

 

Siegfried Ballerstädt

 

"Der Flugplatz Herdla wurde wegen seiner Holzbohlenbahn von den Piloten auch als "Sollbruchstelle von Norwegen" genannt"

 

DAS habe ich auch am Mittwoch, den 10. Januar 1945 selbst erfahren müssen...

An diesem Tag geriet ich beim Landen über das Ende der Rollbahn hinaus und überschlug mich ins Meer.

Ich war mehrere Minuten in der Maschine unter Wasser gefangen und verlor das Bewusstsein. Wie ich später erfahren habe, nur dank der großen Anstrengung meiner Kameraden u.a. Uffz. Walter Opitz und Uffz. Heinz Orlowski die mich aus der Maschine rausgeholt haben, habe ich überlebt.

Danach lag ich mehrere Tage im Lazarett bewusstlos.

 

Siegfried Ballerstädt

Die Fw 190 A-3 "weisse 4"

geflogen von Uffz. Ballerstädt

noch ohne die Aufschrift "Annemarie"

Uffz. Ballerstädt nach einem anstrengenden Patrouillenflug über See und einer fast verkorksten Landung vor seiner Fw 190 A-3

 

Die stark strapazierten Nerven und die Kälte sind auf dem Foto deutlich sichtbar

Herdla, Anfang März 1945

 

Uffz. Ballerstädt auf einer Fw 190...

...und mit einem Staffelhund :-)

Uffz. Siegfried Ballerstädt, 9./JG 5 in seiner

Fw 190 A-3 "weisse 4" schon mit dem Schriftzug  "Annemarie" -> seiner späteren Ehefrau

Herdla, März 1945

 

Hier ist das neue EISMEER - Emblem:

-Eine tief stehende Sonne-

gut sichtbar

Eingeführt Anfang März 1945

Fw. Rudi Artner auf dem Leitwerk seiner Fw 190 A-8

WNr. 732197 -und Uffz. Ballerstädt -> rechts

Herdla, 8. März 1945, Artners 20. Luftsieg

vl.: Uffz. Heinrich Hellwig, Unbekannt,

und Uffz. Ballerstädt

Herdla, Frühjahr 1945

 

Fünf Piloten der 9./JG 5 vor einer der letzten

Fw 190 A-3 - s. Antennenbefestigung

vl.: Uffz. Siegfied Bräuer, Uffz. Heinrich Hellwig,

 Uffz. Ballerstädt, Uffz. Wolf Abler,

ein Wart, Uffz. Gerhard Eisermann und noch ein Wart

Herdla, Frühjahr 1945

Uffz. Ballerstädt und Uffz. Walter Opitz

vor einer Fw 190 A-8

Ca. 20. Minuten später gab es Alarmstart zu einem Einsatz, bei dem Opitz um ca. 16:50 Uhr von einer Mustang abgeschossen wird und ums Leben kommt...

Herdla, 7. April 1945

 

Bitte die gelb - schwarze "Bauchbinde"

(hinter Opitz rechts), beachten!

Sie verläuft schräg zum Balkenkreuz!

 

Die Fw 190 A-3 "weisse 4" - "Annemarie"

von Uffz. Ballerstädt als 1:32 Hasegawa - Modell

(Umbau aus einem Fw 190 A-8 - Bausatz)

 

Gebaut von Herrn Willi Röstel

Danke für die Bilder und Informationen!

Uffz. Ballerstädt - sitzend 3. vl. (in der Mitte)

in französischer Gefangenschaft von 1945 bis 1947

wo die deutsche Gefangenen in der Festung -Gironde- bei Bordeaux, auf "freiwiliger Basis" Minen geräumt haben.

Diese "freiwilige Beschäftigung" hat viele Opfer gekostet, auch Männer die noch auf dem Foto zu sehen sind...

 

Nach dem Krieg

 

  ...war es für Ballerstädt mit der Fliegerei vorbei:

 

Als in der DDR die "Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST), gegründet wurde, sah ich die Chance, wieder fliegen zu können. Auf der Gründungsveranstaltung der GST in Werder, die der Chef des VEB-Schaltgerätewerks Werder leitete, wurde auch über den Motor- und Segelflug gesprochen. Ich sagte ihm am Ende der Veranstaltung, dass ich als ehemaliger Pilot gerne mitmachen würde und bekam die Antwort: ,,Faschistische Piloten brauchen wir nicht.“

Diese Antwort bekam ich von einem Mann, der 1940 eine leitende Position in der Segelflugschule Schönhagen innehatte und Obersturmführer des NSFK

= (Nationalsozialistisches Fliegerkorps), war.

 

Siegfried Ballerstädt als Lehrer

und Kommunalpolitiker

Ballerstädt im Lehrerzimmer der "POS" Töplitz - Schule

in Werder = OT von Töplitz, wo er als Deutsch- und Sportlehrer von 1949 bis 1989 tätig war.

 

Davor, von 1947 bis 1949 lehrte Ballerstädt in der

"Carl-von-Ossietzky" - Schule in Werder.

 

„Seine Schüler waren immer hoch erfreut, wenn er von seinen Erlebnissen aus dem Fliegerleben in Norwegen erzählte“

 

Als Kommunalpolitiker, Lehrer und langjähriger Präsident der Sportgemeinschaft Töplitz wurde Ballerstädt oft geehrt. Das Töplitzer "Urgestein" war seit 1936 Mitglied der Sportgemeinschaft, spielte hier bis in die 60er Jahre Fußball und war anschließend Trainer.

Der Höhepunkt war 1961 - der Aufstieg der von Ballerstädt trainierten Fußballer in die Bezirksklasse!

Von 1960 bis 1995 hatte Ballerstädt den Vorsitz inne. Zwischen 1948 und 1953 spielte er auch beim

Werderaner FC Viktoria.

 

Die Ehrentaffel der Bürger von Töplitz für

Siegfried Ballerstädt 

 

 

Auch seine "Annemarie" Lehrte in der

"POS" Töplitz - Schule. Sie war Musiklehrerin.

"Annemarie" verstarb am 28.12.2011...